Sonntag, 11. April 2010

..... der Stein des Anstoßes....

……der Stein des Anstoßes….


Der härteste Bike-Marathon Europas naht,………Gäßbock-Bike-Marathon nennt sich das Event.
Gestern nahm ich mal ganz gemütlich das Training auf. Letzte Wochen wurden ja nur dem Weinstraßenmarathon mit laufen gewidmet.
Robi Nick hinten hatte Luftmangel. Sicherheitshalber am Freitag etwas Leben eingepustet um zu sehen ob die Luft hält bis Samstag früh. Nach einem gepflegtem Frühstück mit allen Raffinessen ( 1 O-Saft frisch gepresst von ALDI , 1 Kaffee groß und ein kompl. Körnerbrotchen ) rein in die Radler-Klamotten. Mann seh ich klasse aus. So ein knallenges Radler-Outfit retuschiert schon einiges weg. Die Atmung fällt noch etwas schwer aber das wird sich in den Bergen von selbst einstellen. Was hinten in so ein Radlerkostüm alles rein passt ist schon erstaunlich: 4 Weisbierbollen, 2 Riegel mit Sauerkirsch, Handy, Digicam, Brille, Geld und eine Windstopperjacke gerollt als Ball.
Dann zum no poco „ Lady in red „ . Tacho montiert, Flasche mit Wasser, Garmin am Arm, Kette mit WD 40 eingesabbert und abgerieben, Klickpedale mit WD 40 behandelt, Sattel eingestellt und ferdich.
Jetzt aber los,…….mein unbarmherziger Trainer Markus wartet nicht gerne. Garantiert hüpft er schon fix und fertig seid acht im Garten rum. Drauf geschissen,…….10 Uhr ist Treffpunkt und es ist ja erst 8 vor zehn. Ein goiles klackern in der Hofeinfahrt lässt High Hills vermuten die meine Radlerschuhe von sich geben. Rauf auf den Sattel,…………….vielleicht sollte ich noch schnell die Anakonda ausringeln,……….ist ja noch 6 vor zehn. Runter von Esel,……..Jacke, Träger usw natürlich wieder entfernt,……hatte ja auch keine Mühe meinen Sixpack da rein zu pressen. Na endlich…………..2 Minuten vor 10 bei Trainer im Bootcamp angekommen. Sein leichtes grinsen lässt nichts Gutes in mir erahnen. Seine Blicke umschweiften meinen Astralkörper inkl. meinem Equipment ,….. oha, hab ich was vergessen? Ruck zuck hat er eine Halbarm-Windstopperjacke aus seinem Hightech-Arsenal gezaubert damit ich nicht erfriere. Mir kam es zwar wärmer vor jedoch die Verhältnisse in den Bergen kenn nur der Waldschrat.
Eine gemütliche Spazierfahrt würde mir angepriesen. Alleine dafür hätte ich ihm eine scheuern sollen. Nach 10km hatten wir schon 300hm.
Strecke; Landau, Arzheim, Ranschbach, voll rein in den Pfälzer Wald, Bindersbach, links neben Annweiler, Rückseite von Burg Trifels, Gossersweiler, Vorderweidenthal, Oberschlettenbach, Hauenstein, Lug, Dimbach usw flog grad an uns vorbei in Zeitlupe. Viele tolle Aussichtspunkte luden zum ausruhen ein. Vom Ludwigturm hatten wir einen Rundumblick und eine Aussicht wie ein Vogel,…. oder zwei Vögel. Schmerzen im Nacken, linke Schulter und beide Arschknochen habe ich natürlich für mich behalten. Bin ja keine Memme.
Markus kennt den Wald wie kein anderer. Keine Kurve falsch angefahren, keinen Weg verfehlt, die Bäume kennt er mit Namen,……..ich kenne jetzt auch einen.
Drecksau nannte ich ihn als wir im freien Fall einen Singletrail runterföhnten und der sich mir mitten in den Weg stellte. Aber dem hab ich aber eine verpasst,……..natürlich mit der linken Schulter. Unten angelangt noch 4 Stufen bewältigt die mir natürlich mit dem Fulli kräftig den Sattel an den Arsch klopften. Jetzt können wir uns ein wenig ausruhen und strecken während dem dahin gleiten meint Quälix. Nach 500m peilt er einen Singletrail an als hätte ich es gewusst,……..natürlich nicht bergab. Ich folgte seinem Hinterrad wie ein Schatten. Ganz grazil wich Markus etwas aus, ……… da sah ich ihn „ der Stein des Anstoßes „. Kein Stein im Wald und den nehm ich voll aufs Korn. Mit ca. 20km/h auf Null lies mein Hinterrad aufsteigen, ich ein paar cm höher, linker Fuß ausgelinkt, klappte Klasse weil ich ja mit WD40 operiere, linken Fuß in den Berg gerammt, wieder runter auf den Sattel gedonnert und die Schmerzen an den Bobboknochen waren auf einmal zweitrangig. Meine Gedanken, bin alt und habe zwei Kinder,…..also was soll’s? Mit ein wenig verzerrtem Gesicht versuchte ich bei einer gefühlten Steigung von 89% wieder auf den Sattel zu kommen. Nach 20 Versuchen endlich wieder am rollen und zu Markus aufschließen, der schon halb erfroren war. Markus erzählte mir interessante Geschichten. Leider konnte ich fast nix verstehen weil mein Puls im Kopf bollerte und die Atmung die Geräusche einer alten Dampflok glichen. 4 Worte ließen mich kurz wieder Lebensmut fassen. „Gleich sind wir oben“ ! Er hatte recht……gleich ist ja auch nach 15 Minuten noch nicht gelogen.. Tolle Aussichten unterwegs und an den Aussichtspunkten waren aber alle Strapazen wert. Auf alle Fälle konnte ich somit mal für ein paar Std. dem Arbeitsalltag entfliehen, was mich unheimlich seelisch entspannte. Die Entspannung legte sich wieder da die letzten 10km Gegenwind oder eher Gegensturm das nötige beitrugen. Nach 70km zu hause angekommen war`s dann aber auch mal gut. Markus war am Ende dann doch ein wenig kaputt. Oder war ich das eventuell? Noch nie hatte ich im sitzen geduscht,………Raindance……… göttlich wie das Wasser 5 Minuten auf mich runter prasselt. Es dauerte relativ lange bis ich wieder aufrecht stand. Ich war richtig müde.
Dafür bin ich heute gleich mal als Entspannung mit Uschi, Werner und Jürgen 21km gelaufen.
Heute Abend werde ich mich wieder in der Infrarot-Kabine entspannen und dann geht’s wieder voll in die neue Woche.